Transformationsmodelle

Wege in eine Postwachstumsgesellschaft

Interessanterweise sind mir in den letzten Tagen gleich drei Transformationsmodelle, die in die Postwachstumsgesellschaft führen sollen, ins Visier geraten. Ich will sie hier kurz erwähnen – ich habe mich noch nicht mit allen intensiv auseinandergesetzt. Aber spannend sind sicher alle drei.

  1. Transformationsdesign – Wege in eine zukunftsfähige Moderne

Das neue Buch von Harald Welzer ist soeben erschienen. Zusammen mit Bernd Sommer vom Flensburger Norbert Elias Center (NEC) untersucht er Wege, die in eine Postwachstumsmoderne führen können, ohne die durch den Kapitalismus mit entstandenen zivilisatorischen Errungenschaften wie Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit soziale Gleichheit und Solidarität aufzugeben. Dazu gibt es am NEC ein Promotionskolleg zur Transformation.

  1. Das konvivialistische Manifest – Für eine neue Kunst des Zusammenlebens

Die Franzosen! Auf die bin ich ja in der letzten Zeit häufiger gestoßen. Und nun habe ich gleich zwei Manifeste entdeckt, die in eine Postwachstumsgesellschaft führen sollen. Das 2013 erschienene konvivialistische Manifest wurde von etwa 40 französischsprachigen WissenschaftlerInnen und Intellektuellen initiiert. Seit September 2014 liegt es auf Deutsch vor. Herausgegeben wurde der Band von Frank Adloff und Claus Leggewie. Ziel ist es, die in Frankreich angestoßene Debatte der Décroissance-Bewegung (Wachstumsrücknahme-Bewegung) auch in Deutschland bekanntzumachen. Man kann das Manifest als Open-Access-Version herunterladen oder kaufen. Und man kann es auch mitunterzeichnen.

  1. Manifest des französischen Ökosozialismus

18 Thesen für den Ökosozialismus

Da ist er nun: Paul Ariés. Man muss nur lange genug suchen, dann wird man auch fündig.  Der französische Schleier (ich kann leider nur marginal Französisch 🙁 ) um Paul Ariés ist gelüftet: Er ist ein Sozialist. Das Manifest geht eigentlich in eine ähnliche Richtung wie die anderen beiden, hat nur leider wieder den alten linken Kampfjargon drauf: Wir lehnen ab … Wir prangern an… Wir kämpfen… Wir fordern…. Ich weiß nicht. Ich finde, dass wir auch eine neue Sprache brauchen. Keine Political Correctness, Gewaltfreie Kommunikation oder NLP-Sprache, die alle eines gemeinsam haben, die Differenzen bis zur Unkenntlichkeit zu verschleiern und in den Untergrund zu verbannen, wo sie dann erst richtig anfangen zu brodeln. Vielleicht eine, die die Menschen begeistert, zusammenbringt und zur offenen Kommunikation auch über unterschiedliche Ansichten einlädt, ohne gleich mit der Moralkeule zu schwingen oder einen Shitstorm in Bewegung zu setzen. Eine offene Kommunikation mit Toleranz für abweichende Meinungen. Nicht um zu verwässern, sondern um mit Argumenten zu überzeugen, das wäre doch ganz schön, oder?

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